Testberichte

JVC DLA-N7 im Test in audiovision 09/19

Goldene Mitte

(...) Mit einer Größe von 50 (B) x 23,4 (H) x 49,5 (T) Zentimeter und einem Gewicht von rund 20 Kilogramm ist dieses äußerst stattlich, aber in schwarzer Farbe nur bedingt geeignet für das Wohnzimmer. Dort gehört der 8.000 Euro teure 4K-Projektor aber auch nicht hin, denn mit einem gegenüber dem N5 verbesserten Kontrast von angeblich 80,000:1 und einem erweiterten Farbraum zielt der N7 auf die Ansprüche von Heimkino-Enthusiasten ab, die über einen eigenen, in der Regel komplett abdunkelbaren Raum verfügen.

Mehr Kontrast

Realisiert wird der erhöhte Kontrast durch die Selektierung der verbauten „D-ILA“ Panels (JVCs eigene LCOS-Variante, hier mit nativer 4K-Auf-
lösung 4.096 x 2.160 Pixel im 1,87:1 Format) und dem Einsatz eines dualen Iris-Systems. Für den vollen Kinofarbraum (DCI-P3) sorgt ein spezieller Farb fi lter, der bei Bedarf in den Lichtweg geschoben wird. Dessen Lichtverlust soll durch eine gegenüber dem N5 erhöhte Brutto-Helligkeit ausgeglichen werden.(…) Das Vollglas- Objektiv bietet einen großen Zoom und doppelten Lens-Shift, alles motorisiert und mit der Fernbedienung justierbar. Die Lens-Memory-Funktion erlaubt das Speichern verschiedener Bildformate. Die Eingänge unterstützen über HDMI die komplette Bandbreite von 18 Gbps, das reicht auch für HDR bei 60Hz-TV- oder -Streamingübertragungen, eine 4K-Zwischenbildberechnung sorgt für eine gesteigerte Schärfe in Bewegungen und eine automatische HDR-Anpassung soll die richtige Belichtung von UHD-Premium-Inhalten gewährleisten.


Schärfe und Bildverarbeitung

 

In Sachen Schärfe liefert der N7 dieselben Ergebnisse wie der N5, was in Anbetracht des identischen Lichtwegs, Objektivs und der gleichen Signalverarbeitung keine Überraschung darstellt. Das Vollglas-Objektiv bietet eine sehr gute Schärfe, die auch zu den Randbereichen nicht signifikant abfällt. Dies gilt dank präziser Einstellmöglichkeiten für alle denkbaren Bildgrößen, Projektionsabständen und Lens-Shift-Stellungen. Hier ist der N7 der 4K-Sony-Konkurrenz überlegen, deren Objektive bei großen Projektionsabständen und zeitgleicher Ausreizung des Lens-Shifts Randschärfe vermissen lassen. Genauer hinsehen sollte man in Sachen Konvergenz, die ab Werk nicht immer perfekt ausfällt. Sie stabilisiert sich im Falle der NSerie nach rund 15 Minuten und kann danach mit Hilfe der elektronischen Konvergenzkorrektur des Bildmenüs vom Anwender optimiert werden. Zu diesem Zweck wird ein entsprechendes Test-Gitter automatisch eingeblendet. Einmal justiert, erreicht der Projektor automatisch und zuverlässig eine perfekte Konvergenz nach der Aufwärmphase. Auf optischer Ebene weiß der N7 zu überzeugen, doch erst eine gute Signalverarbeitung ermöglicht eine adäquate UHD-Detailreproduktion. Auch hier wurden bei der JVC N-Serie keine Kompromisse gemacht: Allem voran ist die 4K-taugliche Zwischenbildberechnung hervorzuheben, die auch bei komplexen Bewegungen so gut wie nie störende Artefakte provoziert, sondern zuverlässig das leistet, wofür sie gedacht ist: Durch Einfügen zusätzlicher, interpolierter Bilder die Bewegungsschärfe zu erhöhen. Lediglich die Gewichtung der zwei wählbaren Modi wird nicht jeden Geschmack treffen: „Niedrig“ arbeitet recht subtil und behält das leichte Kinoruckeln, „Hoch“ setzt hingegen auf den bei vielen Film-Fans verpönten Soap-Look (siehe auch audiovision 8-2019, Seite 30), ein mittlerer Modus fehlt. Statische Bildelemente profi tieren zusätzlich vom JVC-Schärfealgorithmus „Multi Pixel Control“ (MPC). Dieser erhöht den Pixelkontrast und sorgt so für betonte Konturen, was von unserem Auge als eine höhere Schärfe interpretiert wird. Schön ist die Tatsache, dass das MPC richtig dosiert keine störenden, digital wirkenden Überschärfungen provoziert, sondern den natürlichen Bildlook weitgehend beibehält. Das Duo aus leistungsfähiger Signalverarbeitung und hoher optischer Schärfe harmoniert hervorragend, so dass der DLA-N7 den Ansprüchen, die man an einen Beamer mit nativer 4K-Auflösung stellt, mehr als erfüllt. Auch bei großen Bildbreiten und kurzen Sichtabständen wird man als Betrachter immer wieder von der Detailschärfe beeindruckt, wenn es das Bildmaterial zulässt. Tatsächlich liegt der größte Flaschenhals bei der Software, so zeigt der N7 Schwächen im Mastering gnadenlos auf. Mit anderen Worten: Ein superscharfer High-End-Beamer möchte auch mit superscharfen High-End-Bildern gefüttert werden, um sein volles Leistungspotenzial zu entfalten. (...)

 

Bildqualität in der Praxis

 

Für einen modernen Heimkinobeamer reicht es nicht mehr, als reine Filmmaschine zu fungieren, in unserem multimedialen Jahrtausend kommt noch die Nutzung als Riesen-Fernseher und Videospielmonitor hinzu. Maßgeschneidert ist der N7 zweifelsohne für Spielfilme, denn hier kann er seine individuellen Stärken wie Schwarzwert und Kinofarbtreue bestmöglich ausspielen. Gerade Hollywood-Kost spielt sich oft in dunkleren Bildern ab, was der JVC-typischen Schwarzwert- und Kontrastoptimierung zugute kommt. Richtig konfi guriert zaubert der N7 eine Bildqualität auf die Leinwand, die die meisten öffentlichen Kinos im wahrsten Sinne des Wortes „alt“ aussehen lassen. Bei HDR-Inhalten ist dieses Qualitätsniveau allerdings nicht ganz leicht zu erreichen, denn die automatische HDR-Pegelanpassung arbeitet in der Praxis nicht wirklich überzeugend. Zumindest bei allen unseren Testfi lmen erschien das Bild ohne nachträgliche Korrektur unterbelichtet und kontrastarm. Wir empfehlen, den automatischen HDR-Abgleich zu deaktivieren und ein statisches, auf 1.000 Nits geeichtes HDR Gamma zu verwenden. Gute Fachhändler bieten dies als vorkonfi guriertes Preset an. Die gleichen Ergebnisse gelten für Serien, die bei modernen Produktionen ohnehin immer mehr Spielfi lmen gleichen: Scharf, farblich präzise und plastisch leuchten sie auf der Leinwand und bannen den Zuschauer mitten ins Geschehen. (...)

 

AV-Fazit

„Gegenüber dem N5-Einsteiger bringt der DLA-N7 die vom Hersteller versprochenen Verbesserungen in Schwarzwert und Kinofarbtreue auf die Leinwand – und landet damit sogar in unserer Referenzklasse. Ob diese Optimierungen allerdings 2.000 Euro wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.“

 

      
 

Redaktion audiovision, Ekki Schmidt  

 

ausführliche Informationen über den DLA-N7